E-Learning vs. Präsenzlehre – Ein Vergleich physiologischer Parameter im pandemiebedingt-modifizierten Kurssystem der Vorklinik

Durchzuführende Sicherheitsmaßnahmen infolge der andauernden COVID-19-Pandemie fordern – neben vielen assoziierten Bereichen – ebenso Umstrukturierungen in universitären Lehrkonzepten der medizinischen Lehre. Derartige Maßnahmen der Infektionsprävention zielen auf notwendige Einschränkungen der Präsenzlehre zur Kontaktbegrenzung und fordern somit eine vollständige Digitalisierung entsprechender Kurskonzepte. Dass lauter werdende Forderungen nach professionalisierten digitalen Lernangeboten jedoch zunächst ein genaueres Verständnis ihrer Implikationen voraussetzen, sollte im Sinne einer nachhaltigen Wissensvermittlung nicht in den Hintergrund treten. Eine Vielzahl wissenschaftlicher Arbeiten beleuchtete bereits entscheidende Zusammenhänge zwischen dem physiologischen Erregungszustand in Assoziation zur Stressreaktion und den daraus resultierenden Auswirkungen auf Lern- und Gedächtnisprozesse.
Unklar ist jedoch, inwieweit sich stressassoziierte physiologische Parameter der Studierenden in Online-Kurskonzepten von Teilnehmer*innen in Präsenzlehre unterscheiden und welche Rolle diese Differenzen in der Aufrechterhaltung des Lernprozesses einnehmen.
Um Unterschiede in stressassoziierten physiologischen Parametern der Studierenden in Online- und Präsenzveranstaltungen hinsichtlich dieser Fragestellung vergleichen zu können, bedarf es geeigneter Rahmenbedingungen eines Lehrkonzeptes, das – im Sinne einer genauen Vergleichbarkeit – dieselben Inhalte sowohl in Präsenz als auch in der Online-Übertragung zeitsynchron anbietet: Hierzu eignet sich im besonderen Maße das im Rahmen digitaler Umstrukturierungen modifizierte Blended-Learning Kurssystem der Mikroskopischen Anatomie der Ruhr-Universität Bochum, das sich durch ein im Wochenrhythmus rotierendes Kurssystem auszeichnet, sodass für die eingeteilten Studierendengruppen ein Online-Kurstag auf einen Präsenz-Kurstag folgt.
Die zentral zu untersuchenden abhängigen Variablen des beschriebenen Forschungsdesigns sind die Herzratenvariabilität (HRV) und Messungen des freien Speichelcortisols. Die HRV, auch Herzfrequenzvariabilität, kann als Summe von Oszillationen der R-R- Intervalle verstanden werden und stellt als nicht-invasives Instrument einen bereits etablierten quantitativen Marker zur Erfassung kardialer Regulation durch das autonome Nervensystem dar. Das Glukokortikoid Cortisol ist ein neuroendokrines Korrelat der Stressreaktion, das durch die HPA-Achse gesteuert wird. Das Hormon dient der Bereitstellung von Energie in Stresssituationen, indem es – unter anderem – katabole Stoffwechselprozesse aktiviert, in deren Folge der Glukosespiegel im Blut ansteigt.
Das beschriebene Forschungsvorhaben knüpft an der Schnittstelle zwischen Einschränkungen in der Präsenzlehre und Aufrechterhaltung der Lehrqualität an, um das Konzept der Teilpräsenz unter Einbeziehung physiologischer Erregungszustände ganzheitlich zu evaluieren und die Ergebnisse hinsichtlich vorzunehmender Optimierungen der Online-Lehre zu verwenden – insbesondere in Bezug auf künftig vorzunehmende Kontaktbegrenzungen im Sinne der Infektionsprävention.

Projektleitung

Prof. Dr. Beate Brand-Saberi
beate.brand-saberi@rub.de

Morris Gellisch morris.gellisch@rub.de

Kooperationspartner

Prof. Dr. Wolfgang H. Kirchner – RUB
Prof. Dr. Oliver T. Wolf – RUB
Prof. Dr. Martin Brüne – UK RUB
Dr. Nina Minkley – RUB

Förderung

Dies ist ein Projekt der Abteilung für Anatomie und Molekulare Embryologie und wird finanziert über FoRUM (Forschungsförderung der Medizinischen Fakultät).

Förderung movisens GmbH

Die movisens GmbH ist ein innovatives, forschungsnahes Unternehmen und produziert ambulante physiologische Sensoren, die in der Lage sind, hochauflösende EKG-, elektrodermale Aktivitäts- und Bewegungsdaten für die Analyse von physiologischen Parametern im Alltag zu erfassen. Zudem hat movisens die führende Experience Sampling Lösung,movisensXS, entwickelt. Ihre umfassende und gleichzeitig intuitive Design-Schnittstelle ermöglicht es komplexe Studien mit Leichtigkeit zu erstellen. Alle movisens Sensoren können auch in movisensXS integriert werden und bieten eine zusätzliche Option zur physiologisch basierten Auslösung von Experience Sampling Fragebögen oder Interventionen. Diese Kombinationsoptionen machen movisens zum weltweit führenden Anbieter für Lösungen zum Ambulanten Assessment und Mobilen Monitoring. Durch die enge Zusammenarbeit mit Forschern kann movisens maßgeschneiderte Lösungen entwickeln, die es ermöglichen  innovativen Forschungsfragen zu lösen, indem movisens umfassende Dienstleistungen vom Studiendesign bis zur Datenanalyse anbietet.

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